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Werkschau IV (2014) - Martin R. Becker Zum Inhalt

Werkschau IV (2014)

Dagmar Groß, Redakteurin

Martin R. Becker wird 65: Anlass für eine Werkschau, die er in den Räumen der GKK präsentiert, der Gemeinschaft, mit der er seit Jahren verbunden ist. So weit alles normal. Aber Achtung! Dies ist keine Retrospektive. Das zeigt schon die römische vier im Untertitel. Und dies ist auch nicht das von Altersmilde geprägte Spätwerk eines bekannten Krefelder Künstlers. Denn Becker bleibt sich treu: Er schaut da hin, wo es ungewiss, spannend und manchmal auch irritierend oder gar verstörend wird. Und das gilt für neue Arbeiten ebenso wie für einige ältere, die er für sich und uns neu betrachtet oder in neue Zusammenhänge stellt.

Seit ziemlich genau 40 Jahren beschäftigt sich der Künstler mit abstrakter bzw. absoluter Malerei. Seit 40 Jahren ist er der Linie auf der Spur, lässt sie in Bündeln ihre explosionsartige Kraft entwickeln oder wie unter dem Mikroskop ihre ganz eigene innere Struktur offenbaren. Ebenso lange beschränkt er sich auf Schwarz – die Abwesenheit aller Primärfarben – und Weiß – das Zusammentreffen aller Primärfarben – und offenbart dabei unendlich viele Graustufen, die dazwischen liegen.

GRENZGÄNGER

Immer haben ihn die Grenzen fasziniert, die auf diese Weise definiert werden – die Grenze der Linien, der Farben, der Räume, ja der Malerei insgesamt. Martin Becker, will wissen, was an diesen Bruchstellen passiert und so weiter vorstoßen. Das hat durchaus etwas Philosophisches, nicht umsonst taucht in Kritiken seiner Ausstellungen oft das Wort „Diskurs“ auf. Er hinterfragt nicht nur die Malerei bzw. die darstellende Kunst als solche, sondern gleich unseren gesamten Umgang mit allem, was uns fremd und ungewohnt erscheint.

Eine neue Herausforderung, eine neue Grenze, die es zu erforschen und zu überwinden gilt, hat Becker in den neuen Medien gefunden. Nun ist es nichts Neues, dass in der Kunstgeschichte das Ende der Malerei ausgerufen wird – mal durch das Aufkommen neuer Techniken wie der Fotografie oder der Videos, mal angesichts der totalen Reduktion in den Werken selbst. Fast immer waren solche Brüche aber Anlass und Ansporn für neue Auseinandersetzungen mit Fragen von Abbildung, Darstellung, Realität und der künstlerischen Reaktion darauf.

DAS UNBEHAGEN AN DER KULTUR

Umso erstaunter ist Becker, dass trotz digitaler Revolution und Jahrtausendwende viele Künstler nach wie vor alle möglichen Bereiche der darstellenden Kunst zitieren und bearbeiten, aber die neue Zeit und die neuen bildgebenden Verfahren weitestgehend ignorieren. Im Zeitalter von Photoshop und Smartphone sind Bilder jederzeit abzurufen, zigfach zu reproduzieren und zu verteilen. Aber auch kinderleicht zu verändern und zu manipulieren.

Vor diesem Hintergrund fragt sich Martin Becker, wo in dieser digitalen Revolution die neuen Möglichkeiten für den Künstler stecken. Wohin der Schritt weiter, über die Kunst des 20. Jahrhunderts hinaus, gehen kann. Denn er ist sich sicher: Hätte Dürer einen Computer gehabt, hätte er den Stichel zur Seite gelegt.

Zwar hat Becker schon früher mit Computer und Film experimentiert. Aber erst in jüngster Zeit sind die digitalen Bilder Objekt seiner „Grenzerfahrungen“ geworden. Stand früher die Linie im Mittelpunkt seines Interesses, ist es heute das Pixel. Dieses wird nun genauso akribisch untersucht, bearbeitet, auseinander genommen und wieder zusammengesetzt, wie das vorher mit den Linien und Pinselstrichen passiert ist. So wie er früher mit Rakel oder Radiergummi in seine Bilder eingegriffen hat, wird nun mit dem Computer gepixelt, schraffiert und verwischt.

DIE AUSSTELLUNG

Sinnbild dieses neuen Prozesses ist das alte Bakalith-Telefon (W48 oder DoubleUfortyeight), das der Ausstellung ihren Untertitel gibt. Obwohl erst eine Generation alt steht es heute für eine ausgestorbene Art der Kommunikation, die hinter Pixeln immer mehr verschwindet: das Ende einer Ära, einer Epoche. Vielleicht sogar eines Zeitalters. Denn das eigentlich greifbare Motiv löst sich in unzählige, unterschiedlich graue, kleine Quadrate auf. Die Zusammenhänge sind nicht mehr erkennbar. Beim Verpixeln verschwinden klare Linien, werden kantig, verwischen so sehr, dass das Auge nur aus der Distanz wieder ein Bild zusammensetzen kann.

Und trotz dieses Schrittes in die digitale Welt, bleibt Becker seiner „Linie“ treu, wie man bei den Arbeiten „…wo das Meer beginnt“ und „Famara“ sehen kann. Das gilt nicht nur für seine besondere Beziehung zur Insel Lanzarote, sondern auch für sein Spiel mit der Assoziation von Horizont / Landschaft. Bei den Computer Based Artworks (CBA) hat er Fotos auf dem Bildschirm so bearbeitet und wieder auf Leinwand gezogen, dass sie wie abstrakte Gemälde wirken. Hier scheint wieder etwas von der Poesie der früheren Linienbilder auf.
Das wirkt aber nur im ersten Moment beruhigend. Denn in dem 1999 gemalten Famara-Zyklus ist wieder diese eruptive Kraft der Striche, der Bewegung greifbar. Der Künstler kontrastiert die Bilder mit einem Meer-Video, das – in einem hochkant aufgestellten TV-Gerät abgespielt – wie ein Fensterrahmen wirkt. Doch welcher Blick auf das Meer, auf das Spiel der Kräfte, auf die Grautöne ist nun authentischer, realistischer?

Bei der 2006 entstandenen Reihe „Thiessow“ werden die Acrylbilder -Pixeln gleich- wieder in ihre Bestandteile zerlegt und in Miniaturform neu kombiniert, die neue Technik also quasi auf analoge Bilder angewandt. So bezieht Becker die alten Werke in die neue Sichtweise ein und setzt gleichzeitig seine Spurensuche fort: Was passiert, wenn man ein Bild in seine Einzelteile zerlegt, oder einzelne Punkte/Linien/Quadrate wie unter einer Lupe vergrößert und hervorholt?

In der Werkgruppe „People“ wird das Pixel-Prinzip nochmals deutlich: je mehr das Foto verwischt, desto stärker erinnert es an Malerei. Und desto größer muss die Distanz des Betrachters sein, um etwas zu erkennen. Wie das Telefon verschwindet auch der Mensch hinter dieser Technik, wird zur Masse, austauschbar.

Zum ersten Mal ausgestellt sind Selbstporträts des Künstlers. Unter dem Titel „selbst“ sind verpixelte Zeitungsfotos von früheren Ausstellungsbesprechungen ebenso zu sehen, wie Selbstporträts im Digitaldruck, die wie Zeichnungen wirken, oder bearbeitete Fotos. Hier taucht auch das einzige farbige Werk der Ausstellung auf: In dem „Selbst als junger Mann“ aus dem Jahr 1970 wird die Fotografie so bearbeitet, dass sie wie Malerei wirkt.

NEUE SPIELRÄUME

Diese Erkundung an den Schnittstellen zwischen Computer und Malerei, die der Künstler in dieser Werkschau IV anstößt, lässt eine Menge Spielraum für Assoziationen. Sie hinterfragt aber gleichzeitig auch unseren Blickwinkel, unsere Position als Betrachter und unser Verständnis von Bild und Abbild. In einer Welt der ständigen technischen Neuerungen bietet sie Martin R. Becker auf jeden Fall noch eine Menge Stoff für neue Grenzerfahrungen.

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